Verbandstagung des KV
Synode '72
„Es war ein guter Anfang“, so konnte der Präsident der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Kb Julius Kardinal Döpfner, in seinem Schlusswort bei der Konstituierenden Sitzung der Synode (3. bis 5. Januar 1971) im Würzburger Dom mit Zustimmung auch der vielen, zunächst noch abwartenden Kritiker sagen.
Fast zu lange hat sich der Verband nur mit den eigenen Problemen befasst und darüber vergessen, dass heute nur das Engagement für gesellschafts-, hochschul- und kirchenpolitische Aufgaben die Daseinsberechtigung für einen Verband wie den KV begründen kann. Mit dem Thema „Synode“ hat der Verband einen guten Griff getan.
Lag es an der Wahl des Tagungsortes oder am kurzen zeitlichen Abstand zwischen der Eröffnungssitzung der Synode und unserer Tagung?
Würzburg als Ort der Synode bewies durchaus seine Anziehungskraft auf die vielen jungen und alten Kartellbrüder, die zur Tagung ins Burkardushaus nach Würzburg gekommen waren. An der gleichen Stätte, wo zehn Tage vorher noch die Synodalen ein- und ausgingen, um zur Synodenaula im Dom zu gelangen, fanden sich allein von auswärts fast 100 KVer – je zur Hälfte Aktive und Alte Herren – zur Teilnahme an der Tagung ein. Unter diesen günstigen Umständen konnte am Freitagabend der Vorsitzende des KV-Rates, Kb Rudolph Kawohl (Pr), die Tagung eröffnen und seiner Freude über das große, der Tagung entgegengebrachte Interesse Ausdruck geben. Auch er meinte, dass die Zeit der Selbstreflexion innerhalb des Verbandes vorbei sei und an die Stelle des bloßen Diskutierens um den rechten Standort endlich wieder die sachliche Arbeit treten müsse. Die Verbandsführung wolle zukünftig alles tun, um von hier aus dem KV eine für die Gesellschaft wirksame Aktivität zu geben.
Anschließend übernahm der Leiter des religiös-weltanschaulichen Amtes im KV, Kb P. Norbert Reus SAC (Bv), die Tagungsleitung. Er wiederholte, was schon in der Einladung gesagt worden war, dass nämlich die Tagung nicht nur Informationen über die Synode vermitteln, sondern ein Versuch sein solle, über das „Warum Synode?“ und „Warum nicht nur in Würzburg?“ ein Gespräch anzuregen und so die Synode auch im KV zu einem „geistlichen Ereignis“ (Julius Kardinal Döpfner) werden zu lassen.
Im Gespräch miteinander sollte herausbekommen werden, warum Synode sein muss, warum sie eine Forderung unserer Zeit, eine Forderung der Situation der Kirche ist, um so vielleicht eher zu der uns durch die Synode zugeteilten Aufgabe zu kommen: mitzudenken, unsere Meinung mit anderen auszutauschen, Gesprächsergebnisse weiterzuleiten und auf diese Weise mitzuarbeiten.
Kb Fred Krämer stellte Würzburg als Synodenort vor. Er wies darauf hin, dass im Jahr 1287 in Würzburg das erste deutsche Nationalkonzil stattfand. In Würzburg war im Jahre 1848 die erste deutsche Bischofskonferenz, zu der noch die Erzbischöfe von Prag und Salzburg – letzterer als Primas Germaniae – als Mitglieder erschienen.
Was sind Synoden? Wie sind diese Kirchengeschichtlich und Kirchenrechtlich einzuordnen?
An Hand eines Tonbildes gab dann Kb Krämer eine Einführung in die gesamte Thematik der Tagung und zeigte auf, was Synoden sind, wie sie kirchengeschichtlich und kirchenrechtlich einzuordnen sind, wie es zu dieser Synode kam, welches ihre Rechtsgrundlagen und ihre Zusammensetzung sind und welch reicher, weitgefächerter Themenkreis auf die Synodalen wartet. So vorbereitet konnten die Teilnehmer der Tagung das „Gespräch mit Synodalen“ aufnehmen. Die Synodalen stellten sich zunächst vor und legten dar, wie sie ihre Arbeit in der Synode auffassen, warum sie sich zu einer bestimmten Sachkommission entschlossen haben und wie die Prioritäten im reichen Themenkatalog in den Sachkommissionen richtig zu setzen sind, damit möglichst bald Aussagen der Synode erarbeitet und vorgelegt werden können. Die Synodalen stellten sich auch dem offenen Gespräch und stellten verschiedene Missverständnisse klar, die sich durch manche vordergründige Pressemitteilungen in der letzten Zeit ergeben haben.
Anschließend teilte sich die Tagung in drei Arbeitskreise, die von den drei anwesenden Synodalen geleitet wurden und die sich mit Einzelthemen befassten, die aus der Zugehörigkeit eines jeden Synodalen zu einer bestimmten Sachkommission vorgegeben waren. Sie befassten sich mit folgenden Themen: Arbeitskreis I unter Kb Dekan Erich Ziegeltrum (Nm-W): Glaubenssituation und Verkündigung, Gottesdienste, Sakramente, Spiritualität, Arbeitskreis II unter Präsident Dr. Wilhelm Pötter (Als): Mitverantwortung und Strukturen in der Kirche, Arbeitskreis III unter Domkapitular Paul Bocklet (Nm-W): Kirche als Gesellschaft und Kirche in der Gesellschaft. Die Ergebnisse der Arbeitskreise wurden erst am Sonntag, dem dritten Tag der Tagung, zusammengestellt und vorgetragen, da am Samstagnachmittag noch ein Referat über das Thema „Kirche im Konzil – Volk Gottes und Synode“ auf dem Programm stand, dessen Inhalt in den Arbeitskreisen gegebenenfalls mitverwendet werden sollte.
Wichtige und heute besonders aktuelle Themen wurden herausgegriffen
Als Referent stand (an Stelle des verhinderten Kb Prof. Dr. Heinz Fleckenstein) in der Person des weit über Würzburg hinaus bekannten Neutestamentlers Prof. Dr. Rudolf Schnackenburg (UV) ein großartiger Kenner der Materie, der schon beim Konzil Berater des Würzburger Bischofs war und jetzt Synodale ist, vor uns. Der Sonntagvormittag diente der Diskussion der in den Arbeitskreisen erarbeiteten Stellungnahmen vor dem Plenum der Verbandstagung. Auch hier wurde wieder sachkundig und fruchtbar gearbeitet, wobei die Synodalen Paul Bocklet und Wilhelm Pötter, die bis zum Ende der Tagung bleiben konnten, gute Hilfestellung leisteten.
Wie nicht anders zu erwarten war, konnten aus der Fülle des Themenkatalogs nur einige wenige, jedoch wichtige und heute besonders aktuelle Probleme herausgegriffen werden. Themenkreis: Glaubenssituation und Verkündigung, Gottesdienste, Sakramente, Spiritualität. So befasste sich der Arbeitskreis I vor allem mit Fragen des Religionsunterrichts, der Erwachsenenbildung und Formen der Buße und Sündenvergebung.
Der Arbeitskreis II betonte vor allem die echte Mitverantwortung der Laien in der Kirche und die besonderen Aufgaben der Verbände. Den größten Teil der ihm zur Verfügung stehenden Zeit verwendete der Arbeitskreis III auf die Frage, wie innerhalb der Kirche ein besserer Informationsfluss erreicht werden könne.
Diese Tagung hat Arbeitsergebnisse erbracht, die nicht nur ihren Teilnehmern und den Lesern dieses Berichtes zugänglich sein sollen. Wir wollen vielmehr als eine Gruppe aus dem „Volke Gottes“ diese unsere Arbeit auch fruchtbar werden lassen für einen größeren Kreis.
Unsere Vorstellungen sollen daher unseren Synodalen, den zuständigen Sachkommissionen und dem Sekretariat der Synode zugeleitet werden, um einmal Anregungen zu geben und zum anderen den Synodalen die Überprüfung ihres eigenen Standpunkts mit den Vorstellungen der Basis zu ermöglichen. Die Tagung war sowohl vom Thema wie auch von den Teilnehmern her ein guter Erfolg.
Ganz besonders zu begrüßen ist, dass 25 Kartellvereine 55 junge aktive Kartellbrüder zu dieser Verbandstagung entsandt haben. Das sonst so oft gesehene Verhältnis einer überwiegenden Zahl Alter Herren gegenüber Studenten war dieses Mal ausgeglichen. Aktive und Alte Herren hielten sich die Waage und beteiligten sich in gleicher aktiver und engagierter Weise an den Diskussionen im Plenum und in den Arbeitskreisen. Die Verbandstagung des KV in Würzburg hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, breite Kreise für die Synode zu interessieren und vor allem auch zu aktivieren. Dafür möchten wir Würzburg recht herzlich danken.
Im Verband sind durchaus Kräfte vorhanden, die die Grundsätze des KV auch leben
Wenn nunmehr darüber hinaus für uns ein Fazit gezogen werden soll, so kann dies nur lauten: Im Verband sind durchaus Kräfte vorhanden, die die Grundsätze des KV auch leben und die sich daraus ergebenden Aufgaben verwirklichen wollen. Es ist dies ein gutes Zeichen und gibt Hoffnung, dass die Reform innerhalb des KV auch und gerade bei den jungen Kartellbrüdern nicht nur Anliegen weniger ist oder bloß auf dem Papier steht, sondern Sache des gesamten Verbandes werden wird. Hier wird sich auch zeigen, ob der KV wieder eine Position innerhalb der studentischen Verbände einnehmen kann, die seiner Vergangenheit, noch mehr seiner von den Grundsätzen vorgegebenen Aufgabenstellung gerecht werden kann.
