Synode -
Die Kirche von morgen
Den KV und seine Angehörigen in diesem Sinne anzusprechen, damit wir nicht nur passive Beobachter sind, war das Anliegen der 2. Verbandstagung des KV, die vom 7. bis 9. Januar 1972 in Würzburg stattfand.
Eine große Anzahl von Kartellangehörigen – teilweise bis zu 120 – war im Burkardushaus unmittelbar neben dem Dom, wo in diesem Jahr in zwei Sitzungen die Synode tagen wird (10. bis 14. Mai und 21. bis 26. November 1972), versammelt, um mit Synodalen und Beratern der Synode zu diskutieren und Vorschläge für Stellungnahmen zu erarbeiten, die nicht nur unsere Arbeit innerhalb des Verbandes befruchten, sondern auch in die Synode eingebracht und damit die Arbeit der Synode fördern können. Die Tagung stand unter dem Rahmenthema „Synode – für die Kirche morgen“.
In fünf Arbeitskreisen waren von vornherein schon Schwerpunkte gesetzt. Den meisten Zuspruch fanden die Arbeitskreise II und III, die sich mit den Problemen des Leistungsprinzips und seiner Übereinstimmung mit einem christlichen Menschenbild bzw. mit Fragen der Hochschulseelsorge und hier insbesondere mit unserem Verhältnis zur KDSE (Die Katholische Deutsche Studenteneinigung, die von 1947 bis 1973 bestand) befassten. Am Freitagabend gaben die Mitglieder des Ausschusses „Synode“, die auch den Arbeitskreisen vorstanden, eine Einführung in die Thematik der Tagung. Sie sollte einmal mit den anzusprechenden Problemen vertraut machen und zum anderen den Teilnehmern der Tagung die Entscheidung erleichtern, welchem Arbeitskreis man sich anschließen solle. So konnte dann am Samstagvormittag gleich mit der Sacharbeit in den Arbeitskreisen begonnen werden. Die Beratungen fanden während des ganzen Tages – teilweise noch bis spät in die Nacht hinein – statt. Am Sonntagvormittag wurden die in den Arbeitskreisen gewonnenen Ergebnisse allen Teilnehmern der Tagung vorgetragen und im Plenum der „Versuch einer Bilanz“ gemacht.
Die Diskussionen in den Arbeitskreisen und im Plenum waren getragen von großer Sachkenntnis; insbesondere verstanden es die Referenten und auch die anwesenden Synodalen aus dem KV und anderen Verbänden, die Teilnehmer der Tagung an die Problematik der einzelnen Themen geschickt heranzuführen und die Themen so darzustellen, dass die dann verabschiedeten Ergebnisse von einem sehr hohen Niveau zeugen, auf dem die Diskussionen und Erörterungen geführt worden sind.
Mit besonderer Freude konnte vermerkt werden, dass der Präsident der Synode, Kb Julius Kardinal Döpfner, der Verbandstagung durch die Übersendung eines Telegrammes seine besondere Verbundenheit ausdrückte. Kardinal Döpfner wünschte zur Synodentagung einen fruchtbaren Beitrag zur Arbeit der Synode, Vertiefung der Gemeinschaft in der Kirche und Stärkung des eigenen Glaubens. Auch Kb Lorenz Kardinal Jaeger aus Paderborn und Kb Weihbischof Karl Gnädinger aus Freiburg sowie die Synodalen Kb Dr. Johannes Niemeyer aus Bonn, Kb Ernst Engelke aus Salzgitter und Kb Pater Dr. Gustav Vogel aus Vallendar übersandten herzliche Grüße und drückten ihre Verbundenheit mit der Arbeit des KV aus.
Mit Sachverstand wurde dargestellt, wie ein "christliches Menschenbild" auszusehen hat
An der Tagung selbst nahmen aus den Kreisen der Synodalen die Kartellbrüder Weihbischof Joseph Buchkremer aus Aachen, Prof. Dr. Heinz Fleckenstein aus Würzburg und Dr. Wilhelm Pötter aus Münster teil. Zur Mitarbeit in den Arbeitskreisen konnten die Synodalen Heinz Röschert, Subregens in Würzburg, Albin Nees, Rechtsreferendar in Kahl, Hermann Müller, Bildungsreferent in Niederwerrn, gewonnen werden. Einen wesentlichen Beitrag im Arbeitskreis II leistete Prof. Dr. Eugen Biser, Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie an der Universität Würzburg, der in ausgezeichneter Diktion und mit großem Sachverstand darstellte, wie ein „christliches Menschenbild“ zu zeichnen ist und auszusehen hat.
Für das geplante „Gespräch mit Synodalen“ standen der Bischof von Würzburg, Exz. Dr. Josef Stangl, der Weihbischof von Aachen, Kb Joseph Buchkremer, und die Synodalen Kb Prof. Dr. Heinz Fleckenstein, Hermann Müller, Kb Dr. Wilhelm Pötter und Heinz Röschert zur Verfügung. Diese Mitglieder der Synode beantworteten Fragen aus dem Teilnehmerkreis und weiteten dadurch unsere Tagung über die Thematik hinaus zu einem allgemeinen Forum aus, auf dem in Offenheit und Brüderlichkeit diskutiert und Lösungen der vorgetragenen Probleme versucht wurden. Wenn dies nicht immer gelang, was schadet es; Patentrezepte sind heute sowieso nicht mehr gefragt. Auch in den Arbeitskreisen blieb manche Frage offen oder konnte in der Kürze der Zeit nicht erschöpfend beantwortet werden.
So schlägt der Arbeitskreis II vor, die Probleme des Leistungsprinzips und des christlichen Menschenbildes – auch in unseren Kreisen – weiterhin einer eingehenden Diskussion mit entsprechenden Sachverständigen zu unterziehen.
Versuch einer Zusammenarbeit mit den anderen studentischen Verbänden
Der Arbeitskreis III will eine Verbandstagung durchgeführt wissen, die sich mit dem Thema »Hochschulseelsorge, Hochschulpolitik unter dem Aspekt des Schwerpunktprogrammes der KDSE“ befassen soll. Es bleibt uns auch in Zukunft noch ein reiches Betätigungsfeld. Auch die Bruderverbände waren vertreten. Die Verbandstagung war für uns auch Anlass, den Versuch einer Zusammenarbeit mit den anderen studentischen Verbänden erneut zu machen. Wir hatten daher alle in der „Katholischen Deutschen Akademikerschaft“ (KDA) zusammengeschlossenen Verbände eingeladen und konnten mit Freude feststellen, dass unser Ruf ein großes Echo gefunden hat. So war der CV durch den Vorsitzenden des CV-Rates, Prof. Dr. Alfons Fleischmann aus Eichstätt, sowie die Herren Dr. Bernd Pattloch und Friedhelm Brennecke (vom CV-Studentenbund) vertreten. Für den UV erschien dessen Verbandsgeschäftsführer, Direktor Walter Keller aus Würzburg. Die Akademische Bonifatius Einigung entsandte ihren Generalsekretär, Prof. Dr. Bernhard Neumann SAC aus Paderborn. Auch die beiden Dachverbände hatten ihre Vertreter entsandt: Die KDA wurde von ihrem Präsidenten, Dr. Ludwig Florian aus Frankfurt, repräsentiert; die KDSE entsandte ihr Vorstandsmitglied Peter Alles, der besonders im Arbeitskreis III Wesentliches zu der dort erörterten Problematik beitragen konnte.
Wir dürfen uns für das Erscheinen dieser Verbandsvertreter recht herzlich bedanken. Sie waren nicht nur Gäste, sondern sie beteiligten sich engagiert an den Diskussionen in den Arbeitskreisen und im Plenum, so dass wir wirklich von einer echten Arbeitsgemeinschaft sprechen können. Wir hoffen sehr, dass diese unsere Verbandstagung ein Meilenstein auf dem Wege zur Zusammenarbeit aller katholischen Verbände sei und solche Tagungen zukünftig auch in den anderen Verbänden durchgeführt oder gar zu gemeinsamen Veranstaltungen erweitert werden.
Der KV hat hier einen Anfang gemacht
Die Bedeutung der Tagung wurde auch dadurch unterstrichen, dass der gesamte KV-Rat sowie die Mitglieder der Vorstände des Aktivenbundes und des Altherrenbundes fast vollständig erschienen waren. Wesentlicher Bestandteil der Tagung war die am Samstagabend von Kb Prof. Fleckenstein in Konzelebration mit den Kartellbrüdern Weihbischof Joseph Buchkremer, P. Norbert Reus SAC, Heinrich Schäder sowie dem Vorsitzenden des CV-Rates, Prof. Dr. Heinz Fleischmann, gefeierte Vorabendmesse. Sie stand unter dem Thema „Kirche“. Die Lesungen und Gebete waren hierauf ausgerichtet. Die Ansprache zeigte auf, dass wir „Kirche“ sind und dazu beizutragen haben, dass sie ihre Aufgaben erkennen und erfüllen kann. Den geistigen Abschluss der Tagung bildete ein Wortgottesdienst, den Kb P. Reus SAC unter das Thema „Gemeinschaft der Gläubigen“ stellte und der uns unsere christliche Weltverantwortung vor Augen führte. Dass die Würzburger Atmosphäre zum guten Gelingen der Tagung besonders beigetragen hat, braucht wohl nicht erwähnt zu werden.
Den Kartellangehörigen scheint das gesellschaftliche und soziale Engagement zu gefallen
So darf auch dieses Mal wieder freudig festgestellt werden, dass die Tagung des KV über das Thema „Synode“ erfolgreich verlaufen ist. Sie hat insbesondere starke Anziehung auf die Kartellangehörigen ausgeübt. Was uns bei der Planung und Gestaltung der Tagung vorschwebte, die Zielvorstellungen, die sich der KV in der neuen Satzung im vergangenen Jahr in Münster gegeben hat und die von uns ein besonderes gesellschafts- und schulpolitisches wie auch soziales Engagement fordern, zu verwirklichen und in die Tat umzusetzen, scheint bei vielen Kartellangehörigen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Wir wollen hoffen, dass die Ergebnisse der Tagung nicht nur auf die Teilnehmer beschränkt bleiben, sondern weiterwirken und mit hinein in die Korporationen genommen werden.
Die Teilnehmer sollten nicht nur an das Thema „Synode“ herangeführt werden, sie sollen vielmehr die ihnen vermittelten Informationen nach unten an die Basis weitergeben und so als „Multiplikatoren“ wirken, die Ergebnisse an der Basis erörtern lassen, um sie dann wieder über den Ausschuss in die Synode einbringen zu können.
Der Ausschuss „Synode“ dankt allen Referenten und Teilnehmern der Tagung für ihre gute und fruchtbare Mitarbeit.
