4. Verbandstagung „Synode“ in Würzburg

Zum vierten Mal fand die KV-Tagung „Synode '72“ vom 4. bis 6. Januar 1974 in Würzburg statt. Ein Jahr zuvor, zur 3. Tagung, war man nach Mönchengladbach gegangen, in die Stadt des diesjährigen Katholikentages.

Denn der Ausschuss „Synode“ wollte nach zwei Tagungen in Süddeutschland auch einmal den Norddeutschen ,,näherkommen“ und besonders den Kartellbrüdern aus den Ballungsgebieten Nordrhein-Westfalens die Teilnahme erleichtern. Doch die Norddeutschen wussten dieses Entgegenkommen nicht zu honorieren, und die Süddeutschen blieben lieber daheim.

Die Teilnehmerzahl war geringer als in den Vorjahren. So beschloss der Ausschuss „Synode“ 1974 wieder nach Würzburg zurückzukehren. Es scheint, dass sich dieser Beschluss bewährt hat: Die Teilnehmer kamen wieder in größerer Zahl, auch von weit her. Ob es der Barock war, der sie nach Würzburg zog, der Frankenwein oder die Synodenluft, die in Würzburg weht?

Für einige Teilnehmer bildete die Tagung eine Zwischenstation auf dem Heimweg vom Weihnachtsurlaub in den südlichen Bergen. Termin und Ort scheinen also günstig. Die Anmeldeliste gibt noch eine weitere Information: von über 80 KV-Verbindungen waren 16 vertreten. Die meisten Hochschulorte fehlen in der Liste, andere sind stark vertreten, wie Münster mit 18 und Aachen mit neun Teilnehmern. Diese beiden Hochschulorte entsandten also mehr als die Hälfte der studierenden Tagungsteilnehmer. Was ergibt sich daraus? KV-Rat und Ausschuss „Synode“ dürfen sich über die gute Teilnehmerzahl freuen.

Ein allgemeines Interesse der KVer für die Synode der deutschen Bistümer lässt sich aber noch nicht feststellen. Wäre jeder Ortszirkel und jede Korporation mit wenigen Teilnehmern vertreten gewesen, dann hätte man hoffen können, die Basis des KV wirklich zu erreichen. So muss man befürchten, dass es ein Treffen von Spezialisten und besonders Interessierten gewesen ist, das nur da und dort für die ganze Breite unseres Verbandes Frucht trägt. Damit soll das Engagement derer, die gekommen waren, nicht abgewertet werden. Im Gegenteil: von ihnen wird es abhängen, ob sich zur nächsten Synodentagung mehr Ortszirkel und Korporationen auf den Weg machen. In Würzburg war leicht festzustellen, dass die Zahlen der Anmeldeliste nicht durch Zufall zustande gekommen waren, sondern durch Anregung und Werbung seitens einzelner KVer. Die Werbung für die Tagungen „Synode“ bedeutet wirklich kein Risiko. Das Programm – von Kb Fred Krämer nach Inhalt und Form wie stets mit Liebe fürs Detail vorbereitet – hielt, was es versprach.

Die Einführung bildete der Film: „Was geht mich die Synode an?“ Der halbstündige Film „versucht als Werkstatt-Bericht zwischen den Beratungen in der Synode und dem Leben in den Pfarrgemeinden zu vermitteln“, heißt es im Prospekt des Verleihs. Das schien den KVern wenig gelungen. Sie fanden zu wenig Zusammenhang und kaum eine verständliche Information darin. Die Ausschnitte aus den Synoden-Sitzungen im Würzburger Dom ließen den Raum deutlicher werden als das Geschehen. Die fünf Synodalen, die mit kurzen Äußerungen zu den drei Fragen „Was bedeutet die Synode für ihre Mitglieder?“, „Was ist das Zentralthema der Synode?“ und „Warum geht die Synode uns alle an?“ zu Wort kamen, sollten verschiedene in der Synode vertretene Gruppen aus unseren Pfarreien repräsentieren, Studentin und Professor das akademische Milieu, Angestellter und Arbeiterin die anderen Berufe, ein Pfarrer die Gemeinde. Im Film blieben ihre Äußerungen ohne Farbe und Gewicht. Als Ansatzpunkte zu einem Gespräch wäre dieser oder jener Satz nicht ohne Wert gewesen, wie die Meinung der jungen Studentin, dass die Synode nicht nur ein innerkirchliches Ereignis sei, denn die „Kirche geht auch den Atheisten etwas an, weil sie für Menschenwürde und Freiheit eintritt“. Schließlich bot der Film noch einige Bildszenen zu Themen, die auf der Synode behandelt wurden: Laienpredigt, Taufe und Firmung, Gastarbeiter. Dabei macht es wenig aus, dass diese Themen nicht mehr im gleichen Maß aktuell sind, wie sie es vor einem Jahr waren: Der Film nimmt sie nur als Beispiele, wie man an der Basis über die Synode sprechen könnte.

Am Eröffnungsabend war man bereits auf ein kritisches Urteil getrimmt

All das erschien den Tagungsteilnehmern technisch und inhaltlich wenig gelungen: So waren sie schon am Eröffnungsabend auf kritisches Urteil getrimmt. Die gleiche Grundstimmung zeigte sich auch am nächsten Abend bei der Podiumsdiskussion über „Möglichkeiten und Grenzen der Synode“. Leider waren auf dem Podium nur die Geisteswissenschaften vertreten (und zwar nur die eine Fachrichtung „Jus“): die junge Generation – auf dem Podium nicht vertreten – hatte die stillschweigen-de Emigration vorgezogen, erfreulicherweise nur für einen Abend und mit dem Willen zur Rückkehr. Trotzdem blieb das Gespräch im Tagungssaal nicht ohne Reiz. Interessanterweise sahen die Kartellbrüder, die selbst in der Synode mitwirken, stärker ihre Möglichkeiten und ihren Nutzen, während Domkapitular Dr. Fries (Würzburg) stärker die kirchenrechtlichen Grenzen für die Aktivität eines solchen Gremiums deutlich zu machen versuchte.

Die dringende Warnung, die Mitarbeit der Laien zurückzuweisen

Aus der Sorge um die Aufgabe des KV in der Kirche der Gegenwart kam ein Diskussionsbeitrag von Kb Kamper, dem Vorsitzenden des KV-Rates, der mit Energie den Wert und die Notwendigkeit einer Mitarbeit der Laien bei der Planung und Gestaltung des kirchlichen Lebens unterstrich, und dringend davor warnte, mit formalen Gründen die Mitarbeit, wo sie angeboten wird, zurückzuweisen.

Die vier Arbeitskreise schlossen sich – wie auch bei früheren Tagungen – an aktuelle Synodenvorlagen und Synodenpapiere an. So hatte der Arbeitskreis I „Religiöse Erziehung – Manipulierung Unmündiger?“ die Vorlage „Der Religionsunterricht in der Schule“ zu bearbeiten. Der Arbeitskreis II diskutierte das Kommissionspapier „Die katechetische Wirksamkeit der Kirche“. Wobei „Katechese“ hier nicht den schulischen Religionsunterricht meint, sondern alle Formen der Verkündigung des Glaubens an alle Lebensalter. Bildung und Erziehung war auch das Thema des Arbeitskreises IV: „Kirchliche Jugendarbeit“, dort bildete die Vorlage „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“ den Leitfaden der Überlegungen. Damit hatten diese drei Arbeitskreise eine Thematik, die – zunächst rein zufällig – eine gute Ergänzung zu den Regionaltagungen darstellt, die die KV-Akademie im Akademiejahr 1973/74 veranstaltet: „Bildung – die auch morgen hält.“ Die Ergebnisse der drei Arbeitskreise berühren sich in manchen Punkten. Überschneidungen und Unterschiede ergaben sich aus der Thematik und der Zusammensetzung der Arbeitskreise.

Aus Zeitmangel war es nicht möglich, sie in der abschließenden Plenumsdiskussion zu einem einheitlichen Ganzen zu verarbeiten. Die KV-Akademie – auf der Tagung „Synode“ mit mehreren Mitgliedern vertreten – wird ihrerseits sicherlich die Würzburger Ergebnisse bei den kommenden Regionaltagungen mit einbringen. Und schließlich: Was nützt es? Vier Tagungen „Synode“ bringen bereits einige Erfahrungen. Es gibt Teilnehmer, die regelmäßig an diesen Tagungen teilnehmen. Sie tragen sie mit durch ihre Anwesenheit, durch ihre wache Mitarbeit an den jeweiligen Fragestellungen. Nicht selten werden sie als Multiplikatoren wirksam durch Anregungen, Berichte und Werbung in ihren Korporationen, in ihren Ortszirkeln. Es geschieht echte Basis-arbeit für die Synode, wenn diese Teilnehmer ihrerseits Erwartungen, Fragen und Antworten von der KV-Basis her in das Gespräch der Tagungen einbringen.

Hier zeigt sich, dass das ständig wiederholte entmutigendes Lamento mancher Synodenfunktionäre, die kirchliche Basis sei in keiner Weise für die Synodenarbeit zu interessieren, falsch und ungerecht ist. Es kommt nur darauf an, dass und wie man es versucht. Warum sollte das, was der KV seit vier Jahren tut, nicht auch anderswo möglich sein?

Neue Teilnehmer bringen Farbe und Lebendigkeit in die Diskussion

Von großer Bedeutung ist aber auch die Gruppe der Teilnehmer, die zum ersten Mal oder nur einmal bei einer solchen Tagung auftauchen. Sie suchen Information, Antwort auf ihre Fragen. Sie bringen Farbe und Lebendigkeit in die Diskussion und sorgen dafür, dass sich der feste Teilnehmerkreis nicht auf den Lorbeeren früherer Tagungen ausruht. Beide Teilnehmergruppen sollten intensiv überlegen, wie die Synodentagungen im Hinblick auf die Analyse der Teilnehmerliste zu einer breiteren Auswirkung im ganzen KV kommen könnten; der Ausschuss Synode kann dieses wichtige Ziel nicht ohne ihre Hilfe erreichen.

Ein wichtiges Ziel der Reformbemühungen im KV war und ist es, studierende und im Beruf stehende KVer stärker zusammenzuführen. Die Synodentagungen sind hierzu eine Hilfe und ein Modell. Denn bei ihnen wird diese Gemeinsamkeit selbstverständlich und problemlos praktiziert. Darin liegt z. B. eine Aufmunterung für die Wandlung der Philisterzirkel in die neue Form der Ortszirkel. Die KV-Tagung Synode bleibt nicht KV-intern. Ihre Ergebnisse gehen in Nachrichtendienste und Zeitungen. Sie fließen in die Arbeit der Synodalen ein und geben Diskussionsstoff. In der Öffentlichkeit gelten sie als Stimme unseres Verbandes, die mit Interesse zur Kenntnis genommen wird.

So sandte der Präsident der Synode, Kb Julius Kardinal Döpfner, folgendes Telegramm: „Zur KV-Verbands-tagung in Würzburg sendet herzliche Grüße und gute Wünsche für erfolgreichen Verlauf und fruchtbare Arbeit im Geist gemeinsamer Verantwortung für die Kirche in unserer Zeit.“