Im Spannungsfeld der Ökumene

Unter diesem Thema trafen sich in Würzburg am Wochenende vom 5. bis 7. Januar 1979 rund 100 Kartellangehörige, Gäste und Damen, um in Referaten in die Thematik der Ökumene eingeführt und in Arbeitskreisen wesentliche Aufgaben der Ökumene für den einzelnen KVer und die KV-Gliederungen zu erarbeiten.

Kb P. Dr. Gerhard Voß von der Benediktiner-Abtei Niederaltaich führte mit dem Referat „Katholische Spiritualität – ein ökumenisches Hindernis?“ in die Tagung ein. Referate der Herren Pfarrer Wolfgang Rieser aus einer Vorstadtpfarrei Würzburgs und Dr. Johannes Halkenhäuser vom Schloß Schwanberg als Spiritual der Kommunität Casteller Schwestern zeigten den Stand der ökumenischen Bewegung auf und versuchten, Analysen und Perspektiven zu geben. In drei Arbeitskreisen, die auf der einen Seite für die Gliederungen des KV das Thema behandelten und Lösungen aufzuzeigen und auch dem einzelnen KVer Anregungen für eine ökumenische Lebensgestaltung zu geben versuchten, wurde unsere christliche ökumenische Verantwortung angesprochen, die zu tragen uns Christus im hohepriesterlichen Gebet immer aufgibt: „Alle sollen eins sein; wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh. 17,21).

Was war das Ziel der 9. Würzburger KV-Tage?

Jesus Christus will die eine Kirche. Der Ursprung der Kirche ist auf Jesus Christus und sein gesamtes Wirken, auf das gesamte Christus-Ereignis, zurückzuführen. Im Ursprung der Kirche, in dieser lebendigen Verbindung mit Jesus Christus, die eine bleibende Beziehung ist, sind auch die Einheit und Einzigkeit der Kirche begründet. Jesus Christus selber, der in der Kirche gegenwärtig ist, und der von ihm gesandte Heilige Geist sind die bleibende Mitte der Kirche und deshalb auch der tragende Grund ihrer Einheit und Einzigkeit. Nur sie können die Einheit ihres Lebens gewährleisten. Diese Einheit ist anzustreben. „Im Spannungsfeld der Ökumene“, – das sollte nicht ein Beitrag unter vielen, also auch des KV, sein, weil Ökumene gerade wieder einmal „in“ ist; das durfte aber auch keine späte oder verspätete Prinzipiendiskussion des KV werden.

Kb Krämer hat wiederum mit der Wahl der Referenten und der Auswahl der Themenbereiche für die Arbeitskreise die erfahrene Hand bewiesen, die alle Teilnehmer unmittelbar in die konkrete Arbeit führte. Das hohe Niveau und die teilweise bewusst provozierenden Thesen der Einführungsvorträge (P. Dr. Voß OSB: „Ökumene ist immer ein bisschen weniger als das, was man auf dem Boden der eigenen Konfession sagen möchte“; Pfarrer Rieser: „Was wir nur für uns tun, trennt uns von anderen“; Dr. Halkenhäuser: „Ökumene als Einheitsromantik?“ vermittelten soviel Grundsätzliches, dass die Arbeit in den Arbeitskreisen schnell zum Wesentlichen kam. Und doch: Es zeigte sich bald sehr deutlich, welch hohen Nachholbedarf wir haben, wenn es darum geht, Ökumene praktisch anzuwenden. Alle Teilnehmer waren sich über das geistige Umfeld und die Notwendigkeit der Ökumenischen Bewegung einig; Einigkeit bestand auch darin, „die Ökumene nicht in die Hände von Spezialisten geraten zu lassen“ (Pfarrer Rieser), sondern sich selbst zur Tat aufgerufen zu fühlen. Zu welcher Tat jedoch?

Eins hat Würzburg ganz klar gezeigt: Der KV wird die Arbeit an der Ökumene entsprechend seiner Satzung aus der Sicht eines katholischen Verbandes betreiben. Er wird es nur tun können, wenn seine Gliederungen aus dem katholischen Glaubensverständnis heraus die katholische Tradition in den ökumenischen Dialog einbringen. Es darf nicht zu einer Nivellierung unseres christlichen Grundverständnisses kommen.