Friede – was ist das?
Über 120 Teilnehmer, Kartellangehörige und Familienmitglieder, darunter drei aus Österreich, trafen sich vom 8. bis 10. Januar 1982 in Würzburg zu den 12. Würzburger KV-Tagen, die aus den Synodentagungen des KV hervorgegangen sind und mit theologisch-weltanschaulichen Themen fortgeführt werden. Das Interesse hieran war schon immer groß. Die diesjährige Teilnehmerzahl übertraf jedoch alle Erwartungen. Das lag sicherlich einmal am Thema „Friede – was ist das?" und an den angekündigten Referenten, aber auch am Tagungsort Würzburg, der schon immer junge und alte Kartellbrüder und ihre Angehörigen in diese gastliche Stadt anreisen ließ.
Bergpredigt und Friedensgedanke
Von Prof. Dr. Rudolf Schnackenburg, Würzburg
In der Diskussion um Frieden und Sicherheit spielt die Bergpredigt Jesu bei christlich motivierten Gruppen eine nicht geringe Rolle. Gemäß den Forderungen Jesu, auf Wiedervergeltung zu verzichten und die Feinde zu lieben, verlangen sie eine völlige Ächtung des Krieges und Abrüstung um jeden Preis. Der Friede ist letzthin ein Geschenk Gottes, das aber auch die Menschen zu unablässigen Friedensbemühungen verpflichtet. Der endgültige und vollkommene Friede ist in der geschichtlichen Erfahrungswelt nicht zu verwirklichen, sondern wird erst von Gott in der Vollendung der Zeiten herbeigeführt werden. Das bewahrt vor der Illusion, auf Erden ein ungetrübtes Friedensreich errichten zu können.
Frieden durch Schwäche: Ermöglicht Gewaltverzicht Frieden?
Von Kapitän zur See a. D. Norbert M. Schütz, Bonn
Friede ist ein Werk aus dem menschlichen Bereich und daher eine Sache von geistiger und sittlicher Art. Das Weltgeschehen ist das Produkt menschlichen Handelns im Umgang mit Menschen; also Politik. Der innere als auch der äußere Friede müssen durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden, da beide durch eine Reihe von Vorgängen geschwächt werden, die ihren Ursprung in der Unvollkommenheit des Menschen haben. Dadurch wird die notwendige Sensibilität für Frieden in Freiheit und Gerechtigkeit gestört. Eine politische Gemeinschaft kann nur dann am Aufbau des äußeren Friedens mitwirken, wenn sie nach Papst Johannes Paul II. „für sich selbst den Frieden erreicht hat“. Aber auch aus der Erkenntnis des II. Vatikanischen Konzils droht die Gefahr des Krieges, insofern die Menschen Sünder sind (GS 78/79).
„Zum Begriff des Friedens“
von Militärgeneralvikar a. D. Dr. Marin Gritz, Würzburg
Um sagen zu können, wo Frieden ist, muss geklärt sein, was Frieden ist. Trotz des – bislang – vergeblichen Ringens um eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs „Frieden“ fehlt es nicht an zutreffenden und weiterführenden Beschreibungen dessen, was in der Welt von heute Frieden ausmacht, was Frieden fördert und sichert, was den Frieden gefährdet oder bedroht.
Friede durch Abschreckung
Von stud. theol. et germ. Rüdiger Blumrich, Würzburg
Die Abschreckungspolitik produziert immer wieder ihre eigenen Instabilitäten. Sie hat ihre Wurzeln in falsch orientierten Sicherheitsbedürfnissen und Bedrohungsvorstellungen und stützt sich auf eine theoretische Bestimmung des Verhältnisses von Staaten: Die für die Sicherheit ihrer Bürger mit dem Gewaltmonopol versehenen Staaten stehen untereinander in Konkurrenz, die u. U. Gewalt als Machtmittel zur Gewährleistung ihrer Funktion vorsieht. Durch die Abschreckung wird eine ungerechte internationale Ordnung aufrechterhalten und die Menschheit in die Katastrophe geführt. Friede ist nur möglich jenseits von Abschreckung!
