Verweigern aus Angst oder handeln aus Hoffnung?

Unser Verband veranstaltete vom 6. bis 8. Januar 1984 die „Würzburger KV-Tage 1984“ mit dem Thema „Verweigern aus Angst oder handeln aus Hoffnung?“ Nach drei einführenden Referaten diskutierten Kartellbrüder in drei Arbeitsgruppen Perspektiven der Hoffnung in den Bereichen Politik, Beruf und Familie im Würzburger Burkardushaus.

In seiner Hinführung wies der Essener Psychologe und Theologe Kb Pater Prof. Gustav Vogel (Bv) darauf hin, dass innerweltliche Heilsanschauungen keine Hoffnung begründeten. Christliche Hoffnung jedoch wirke von Grund auf, richte sich nicht bloß auf ein Ziel, mache frei, wo andere Heilsdrogen süchtig machten. Diese Hoffnung bewahre vor einem Verfall in politische oder soziale Utopien. Vor dem Hintergrund der innerkirchlichen Friedensdiskussion warnte der Sozialwissenschaftler Prof. Manfred Spieker davor, legitime politische Entscheidungen nicht zu respektieren. Wer einem Pazifismus aus Angst huldige, tabuisiere die Probleme einer expandierenden Ideologie. Der Präsident des Familienbundes der deutschen Katholiken, Prof. Dietrich Simon (Marburg), forderte verstärkte Bemühungen der Kirchen um junge Familien. Die Gemeinden müssten sich dabei auch der Problemfälle der Geschiedenen und Alleinerziehenden annehmen. Simon kritisierte zugleich die niedrige Geburtenrate in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Volk ohne Kinder sei ein Volk, das den Glauben an die eigene Zukunft verloren habe.

Der erste Arbeitskreis unter Leitung von Kb P. Norbert Reus SAC, Rheinbach, fasste sein Gesprächsergebnis zum Thema „Angst und Hoffnung – theologische und psychologische Grundprobleme unserer Zeit“ wie folgt zusammen: Der Mensch erfährt Angst in vielfältiger Weise. Er kann Geborgenheit erfahren in Freundschaft und Gemeinschaft und letztlich in Gott. Wir sollten uns nicht nur als Menschen, als Christen, sondern auch als Kartellbrüder in die Pflicht nehmen lassen, um in der Gemeinschaft Zuwendung und Geborgenheit zu schaffen. Die Anmerkungen des Osnabrücker Sozialwissenschaftlers Prof. Manfred Spieker zum Thema „Politik im Spannungsfeld von Angst und Hoffnung“ bildeten die Grundlage für die Diskussion im zweiten Arbeitskreis. Leiter der Gesprächsrunde war hier Kb Dr. Wolfgang Spallek, Hamburg. Die Ergebnisse dieses Arbeitskreises: Politik ist Gestaltung der Gegenwart und Zukunft zur Ordnung der inneren und äußeren Verhältnisse. Sie wird durch menschliches Handeln, zu dem auch Angst und Hoffnung gehören, gestaltet. Das politische Handeln soll sich an Grundwerten orientieren. Unbestimmte Angst kann durch fundiertes Wissen und sachkundige Einsicht in bestimmbare Furcht vor konkreten und kalkulierbaren Gefährdungen umgewandelt werden. Nicht Angst, sondern Hoffnung auf Verbesserung bestehender Verhältnisse ist die Antriebskraft für die Politik der Friedenssicherung.

Der von Kb Prof. Dr. Manfred Wochner geleitete dritte Arbeitskreis zum Thema „Suche nach Selbstverwirklichung im Spannungsfeld von Angst und Hoffnung“ kam zu folgendem Ergebnis: Auch die junge Generation bejaht Ehe und Familie. Sie lehnt diese von Staat und Gesellschaft vorgegebenen Institutionen überwiegend nicht aus egoistisch verstandener Selbstverwirklichung ab. Der Rückgang der Eheschließungen, die Zunahme der Scheidungen, die Abnahme der Geburtenzahl und die Zunahme der Abtreibungen haben ihre Ursachen auch in fehlenden Rahmenbedingungen, die das Gelingen von Ehe und Familie erschweren und behindern. Katholische Christen überwinden diese Ängste mit ihrer Gewissheit, dass der Ehebund Teil am Bund Gottes mit den Menschen hat und ebenso endgültig ist wie die Heilszusage Gottes selbst. Wer die Zukunft von Ehe und Familie sichern will, muss für familienfreundliche Veränderungen der Arbeitswelt, z. B. für gleitende Arbeitszeit und mehr Teilzeitarbeitsplätze eintreten.