Rückschau und Ausblick
Versuch einer Bilanz der Synode
Vom 11. bis 13. Januar 1985 fanden in Würzburg die „15. Würzburger KV-Tage“ statt. Der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Walter Bayerlein, sprach zum Thema „Würzburger Synode 1975 bis heute: Versuch einer Bilanz“, Kb Dr. Werner Buchner (Ale) über die Frage „Hat die Würzburger Synode ihre eigenen Erwartungen erfüllt – und unsere?“
Außerdem wurden in drei Arbeitskreisen die Themen „Verbände in der Kirche“, „Akademiker in der Kirche“ und „Jugend in der Kirche“ behandelt. Bayerlein verglich in seinem Vortrag damalige Erwartungen mit der heutigen Situation. „Entscheidende Frucht“ der Synode sei ein Lernprozess im öffentlichen, ernsthaften Dialog gewesen. Julius Kardinal Döpfner, die „überragende Gestalt“ dieser Kirchenversammlung, habe diesen Prozess in drei Punkten formuliert: Aufeinander zugehen, miteinander reden und gemeinsam sprechen, und dem Geist Christi begegnen und daraus handeln. Nach Ansicht Bayerleins scheint dieser synodale Dialog trotz vermehrter Gesprächsmöglichkeiten weithin erloschen. Er brauche „stetige Erneuerung und den Zwang zu ernsthafter öffentlicher Beratung und verbindlicher Meinungsbildung“. Stattdessen scheine die „monologische Struktur“ in der Kirche zu wachsen. Wie vor der Synode gebe es Streit und grundsätzliche Missverständnisse. Die Forderung nach einem neuen Dialog könne zwar als Argument gegen das Gelingen der Würzburger Synode verwendet werden, sei jedoch auch positiv zu deuten: „Synoden bringen Erneuerung und Bewegung.“ Bayerlein warnte davor, Synoden zu überfordern: Glaube, Liebe, Hoffnung und Mut könnten nicht beschlossen werden. Der ZdK-Vizepräsident bot einen Überblick, wie einzelne Synodenbeschlüsse verwirklicht worden sind. Erfreulich sei, dass die Synode zu einer „Renaissance der katholischen Verbände“ geführt habe. Die Überzeugung von ihrer unverzichtbaren Aufgabe, sachkundig gezielte Initiativen für Teilbereiche kirchlicher Arbeit zu gestalten, habe sich durchgesetzt.
Die Ergebnisse der Diskussionen in den Arbeitskreisen wurden in Thesenpapieren zusammengefasst. Zum Thema „Verbände in der Kirche“ heißt es dort: „Wir müssen heute damit rechnen, dass die Mitglieder sich den Verbänden nicht nur um des katholischen Charakters willen anschließen, sondern aus den verschiedensten Motiven. Sie identifizieren sich oft nur teilweise mit dem katholischen Glauben und Glaubensleben. Aufgabe der katholischen Verbände ist es, seine Mitglieder zu einem lebensbestimmenden Glauben zu führen. Voraussetzung dafür ist, dass der Verband sein katholisches Profil erkennen lässt.“ Zum Problem der „Akademiker in der Kirche“ heißt es: „Die Forderung eines spezifischen Ethos für den Akademiker und besonders den katholischen Akademiker ist nicht an einen besonderen Status gebunden. Die Einsicht in die Grenzen der Wissenschaft und die Gefahr der missbräuchlichen Anwendung der Wissenschaft erfordern ein waches ethisches Bewusstsein. Das Bemühen um Ethos bedeutet ein Suchen nach Normen und handlungsbestimmenden Werten, die nicht ausschließlich der Wissenschaft entnommen werden können. Hierzu gehören Normen, die nur aus dem Glauben zu gewinnen sind. Das Erkennen dieser ethischen Forderungen begründet ein Verantwortungsbewusstsein und verpflichtet uns, unser persönliches und berufliches Handeln an diesen Normen zu messen und zu orientieren.“
Über „Jugend in der Kirche“ wird formuliert: „Der Jugendliche sucht vor allem das personale Angebot der Erwachsenen in Familie, Verbänden und Kirchengemeinden. Das personale Angebot muss dabei, wie bereits der Synodenbeschluss über „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“ feststellt, die Wandlungen jugendlicher Selbstdarstellung immer neu zur Kenntnis nehmen.“
