Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt
Auf die Würzburger Synode von 1971 bis 1975 gehen die KV-Tage in dieser Stadt zurück, die vom 3. bis 5. Januar 1986 zum 16. Mal stattfanden. Zum ersten Male tagten nicht nur die Seminarteilnehmer in der unterfränkischen Metropole, auch die Seelsorger des Europäischen Kartellverbandes trafen sich anlässlich des Seminars zu ihrer Seelsorge-Konferenz.
Das Thema dieses Jahres weist in Geschichte und Zukunft dieser religiösen Tage des Verbandes. In Beschluss 14 hatte sich bereits die Würzburger Synode mit der im II. Vatikanischen Konzil neu definierten Rolle des Laien beschäftigt. Der damalige Beschluss war betitelt „Verantwortung des ganzen Gottesvolkes für die Sendung der Kirche“. Im kommenden Jahr wird in Rom eine neue Synode über die Stellung und Aufgaben des Laien in der katholischen Kirche nachdenken. Dies zeigt, welche Bedeutung der Laienarbeit in der Kirche zugemessen wird.
Das Thema der Bischofssynode im Frühjahr 1985 in Rom „Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt, zwanzig Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil" war auch die Leitlinie für die 16. Würzburger KV-Tage vom 3. bis 5. Januar 1986. So befassten sich zwei Arbeitskreise direkt mit Fragen der „Lineamenta", die 1985 zur Vorbereitung der Bischofssynode den verschiedenen Ortskirchen zugegangen sind.
Verantwortung des ganzen Gottesvolkes für die Sendung der Kirche
Diese „Lineamenta" (Richtlinien) enthalten eine erste Darstellung des Themas und zahlreiche konkrete Fragen an Bischöfe, Priester und Laien zu diesem Thema. Zu den in den „Lineamenta" aufgeworfenen Fragen wird die Deutsche Bischofskonferenz, die wie alle Bischofskonferenzen, dazu aufgefordert ist, Stellung nehmen. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken wird offiziell Position beziehen. Darüber hinaus sind alle Laien aufgerufen, Antworten auf die „Lineamenta" zu finden. Die KV-Akademie hat diese 16. Würzburger KV-Tage als Möglichkeit zur Meinungsbildung konzipiert, die von den – wie stets – zahlreichen und engagierten Teilnehmern gut genutzt wurde.
Am Beginn der Arbeit sollten die Einführungsreferate zu den drei Arbeitskreisen stehen. Noch vor dem gemeinsamen Mittagessen konstituierten sich die Arbeitskreise. Deren Teilnehmer stiegen danach in die Diskussionen ein, die den Rest des Samstages füllten, nur unterbrochen von einer kurzen Kaffeepause.
Es wurde sachlich argumentiert, sicher erhielt jeder der Teilnehmer durch das Gespräch neue Anstöße. Dass es nicht ein gar strenges Diskussionswochenende
wurde, dafür sorgte die abendliche Weinprobe auf dem Haus der KStV Normannia. Zum Abschluss des Treffens wurden die von den drei Arbeitskreisen in den Diskussionen erarbeiteten und zu Thesenpapieren aufgearbeiteten Ergebnisse im Plenum zur Diskussion gestellt. Nach kleineren Korrekturen durch Richtigstellungen und Anmerkungen fanden die Papiere eines jeden Arbeitskreises unter den Teilnehmern breite Zustimmung. Sie werden hoffentlich in den Vereinen als Anregung zur Diskussion dienen.
Ergebnisse Arbeitskreis I:
„Glaube als Fundament oder Verzierung: Wie katholisch wollen wir Korporationsstudenten sein?“
Zielvorstellung ist die Forderung Christi „Seid vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist“. Die vollkommene Nachfolge ist ein übermenschlicher Anspruch, dem natürlich kein Christ auf dieser Welt vollkommen gerecht werden kann. Gefordert ist jedoch ein lebenslanges Bemühen i. S. eines dynamischen Prozesses, bei dem man auch mit Rückschlägen rechnen muss (Sünde, Schuld).
Religiöses Lernen ist ein lebenslanger Prozess auf den verschiedene Subjekte Einfluss nehmen
Was heißt katholisch? Grundsätzliches Katholisch-Sein bedeutet Bereitschaft zur Nachfolge Jesu Christi in der Gemeinschaft der katholischen Kirche. Hierbei kommt den wesentlichen Aussagen des neuen, von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen „Katholischen Erwachsenenkatechismus“ verbindlicher Charakter zu. Offenheit nach außen ist nur auf der Basis von Geschlossenheit nach innen möglich. Die Korporationen sollten nur Neumitglieder aufnehmen, die Offenheit und Bereitschaft zur vollkommenen Nachfolge Jesu Christi im oben genannten Sinne in der Gemeinschaft der katholischen Kirche zeigen. Der Verband und die Korporation haben hierbei einen Erziehungsauftrag am Einzelnen.
Grundsätzliches Religiöses Lernen ist ein lebenslanger Prozess, auf den verschiedene Subjekte Einfluss nehmen müssen: Familie, Schule, verschiedene gesellschaftliche Gruppen (auch z. B. Korporationen), Medien etc. Bei Studenten, die zu den Verbindungen stoßen, ist ein Mangel an religiöser Verwurzelung im persönlichen Leben und im Leben der Kirche sowie an positivem Glaubenswissen zu beobachten. Aus diesem Defizit erwächst den katholischen Korporationen und Verbänden eine wichtige Aufgabe.
Ergebnisse Arbeitskreis II:
„Ergänzung oder Gegensatz: Apostolat der Verbandsmitglieder – Apostolat der Verbände?“
Es wurden drei Möglichkeiten dargestellt, das Apostolat des Einzelnen und der Verbände unter unseren Gegebenheiten zu verwirklichen: Das Apostolat des Einzelnen als Gespräch mit einem anderen, wobei beide Gebende und Nehmende sind. Das Apostolat des Einzelnen mit dem Ziel, einen anderen, der fernstehend ist, für den Glauben zu gewinnen. Das Apostolat, das Auswirkungen auf die Gesamtkirche, die Gesellschaft oder die Politik bezweckt. Hier sind die Verbände gefordert. Wichtig ist bei allen Arten die Frage nach dem Sachverstand.
Die Notwendigkeit einer gewissen Einheitlichkeit der Meinungen wurde besprochen
Wichtig ist, dass jedes Apostolat Teil der Nachfolge Christi in der Kirche ist. Daher ist auch das Apostolat der Verbände für den Einzelnen, der darin tätig ist, ein solches Zeugnis für Jesus.
Von den „Lineamenta“ ausgehend wurden zwei Fehlhaltungen dargestellt, nämlich einmal das Erschöpfen in innerweltlichen Aktivitäten, ohne dass am Glauben Maß genommen wird, zum andern die sogenannten Flucht aus der Welt, was dazu führt, die Aktivitäten auf die zu beschränken, die das Apostolat weniger nötig haben. Beides führt dazu, dass der Zweck, Zeugnis zu geben für den Glauben, verfehlt wird.
Schließlich wurde die Frage nach dem Wesen des Apostolats unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert. Oder die Frage der Schwierigkeit des Apostolats wegen der schon erwähnten Einbindung in gesellschaftliche, naturwissenschaftliche und politische Fragestellungen. Oder das Apostolat, das dem Mangel an persönlichem, religiösem Wissen oder entsprechenden Erfahrungen abhelfen will.
Hinsichtlich des Verbandsapostolats wurde die Notwendigkeit einer gewissen Einheitlichkeit der Meinungen besprochen, vor allem wie weit die Offenheit für andere Ansichten gehen darf und soll. Es war allgemeine Auffassung, dass im Grundsätzlichen eine Übereinstimmung gegeben sein muss.
Schließlich wurde auf die Gültigkeit des Subsidiaritätsprinzips auch für das Verbandsapostolat hingewiesen. Jedes Verbandsmitglied ist aufgefordert, im Rahmen seiner Fähigkeiten selbst tätig zu werden und nicht alles den Verbandsgremien zu überlassen.
Ergebnisse Arbeitskreis III:
„Arbeit der Verbände und Dienst der Priester: Konkurrenten oder Glieder eines Leibes?“
us dem Bericht über die religiöse und seelsorgliche Situation in verschiedenen Korporationen und Verbänden führte unser Gespräch einerseits zu der Feststellung, dass viele junge Bundes- und Kartellbrüder aus ihren Familien und vom Religionsunterricht oft erschreckend geringe und lückenhafte Kenntnisse über Religion, Glauben und Kirche haben. Zum andern konnten wir aufzeigen, dass in den Verbindungen und in den Verbänden das Anliegen eines besseren Glaubenswissens und eines vertieften Glaubenslebens in den letzten Jahren dringender erkannt wird.
Neben der Arbeit der Verbandsseelsorger und dem Ertrag von Tagungen und religiösen Seminaren ist der Kontakt mit Priestern und Theologen als Bundesbrüder oder als bleibende geistliche Helfer und Ratgeber wichtig. Es ist aber oft schwierig, solche Kontakte herzustellen und längere Zeit aufrechtzuerhalten, und das nicht nur wegen der dienstlichen Belastungen der geistlichen Kartellbrüder.
Innerhalb der Verbände müssen alle Kartell- und Bundesbrüder, Alte Herren mit den Aktiven und füreinander, in der auf dem Glauben gründenden Sorge um den anderen eine wichtige Aufgabe sehen. Ein besonderes Anliegen ist die religiöse Weiterbildung der Akademiker.
