Um Gottes willen: Kernkraft!
Vom 9. bis 11. Januar 1987 fanden in Würzburg die 17. Würzburger KV-Tage statt. Die 65 teilnehmenden Kartellbrüder beschäftigten sich drei Tage intensiv mit den Problemen der Kernkraft, ihrer Nutzung und ihrer Gefahren.
Ein Festival der Zahlen? Es war kein Festival, dafür waren die Gespräche zu sachlich und zu ernst. Aber es gab eine Unmenge Zahlen, die jedoch nicht erschlagen, die zögernden, die nüchternen und kritischen Teilnehmer nicht überfahren sollten, sondern sachliche Vergleiche und Informationen geben wollten. Immer wieder ging es um Sicherheit, Sicherung und Verantwortung. Auch wurde deutlich, wie ungenügend, manchmal sogar verfälschend in den Medien und auch von einigen Landesministerien Zahlen unter die Leute gebracht werden, die Unsicherheit und Verwirrung stiften. Vom Besuch des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist mir eine Bemerkung von einem der Mitarbeiter des Kraftwerkes in besonderer Erinnerung geblieben: Wenn als Besuchergruppen Vertreter von Gemeinderäten kommen, dann „gehen die Schwarzen hinein, von den Roten einige und von den Grünen keiner“.
Wegen eines Schaufelbruchs an der Turbine im sogenannten Sekundärbereich war das Kraftwerk abgeschaltet, und wir konnten so noch etwas mehr besichtigen als andere Gruppen. Noch eine Bemerkung bei der Gruppenführung: Einer der Herren sagte: „Ich bin hierher gezogen und habe hier gebaut, und ich habe zwei Kinder.“ „Aber er raucht!“ warf ein anderer Kollege dazwischen. Es war ein wichtiger Teil der Information, zu zeigen, wieviel Strahlung, natürlich und technisch, überhaupt zu unserem Leben mit, vor und nach „Tschernobyl“ gehört, auch welche Belastungen von konventionellen Kraftwerken zusätzlich bei der Entsorgung des radioaktiven Gipses aus den Entschwefelungsanlagen entstehen, und wie gering auf weit absehbare Zeit die Aussichten für in größerem Maße brauchbare alternative Energien sind.
Neben dem Besuch in Grafenrheinfeld am Samstagvormittag war die Podiumsdiskussion am Nachmittag ein hervorragender Teil der Tagung. Nachdem, ausgehend vom Bibelwort aus dem Schöpfungsbericht „Machet euch die Erde untertan“, von der besonderen Verantwortung des Menschen vor Gott und für die Mit- und Nachwelt die Rede war, wurde die zur Verfügung stehende Zeit von kurzen Referaten und dann von Fragen und zahlengespickten, sachkundigen Antworten ausgefüllt. Mit Dr. Weinlander, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung in Karlsruhe, zuständig für die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf, und mit Dr. Koberlein, Referent im Vorstand der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Garching bei München, standen uns ausgezeichnete Fachleute zur Verfügung. Am Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, feierten wir den Gottesdienst zusammen mit den Würzburger Normannen zu ihrem 111. Bundesfest.
Die Welt existiert, weil Gott Ja gesagt hat in der Schöpfung
In der Predigt wurde betont, dass Gott Ja gesagt hat: Die Welt existiert, weil Gott Ja gesagt hat in der Schöpfung; der Mensch existiert, weil Gott Ja gesagt hat zum Menschen als Ebenbild Gottes; ich selbst existiere, weil Gott Ja gesagt hat zu mir. Jesus ist das besondere Ja Gottes: Das ist mein geliebter Sohn.
Die Informationen und Gespräche haben alle in einer positiven Einstellung zur friedlichen Nutzung der Kernenergie bestärkt, nicht nur dass wir Kernenergie brauchen, sondern auch dass wir sie in Sicherheit und in Verantwortung „um Gottes willen“ gebrauchen dürfen.
