Islam – Bedrohung und Herausforderung?
Vom 10. bis zum 12. Januar 1992 fanden die Würzburger KV-Tage nun schon zum zweiten Mal nicht in Würzburg, sondern diesmal in der Bildungsstätte „Klaus von Flüe“ in Münsterschwarzach statt. Zum Thema der diesjährigen Veranstaltung „Islam – Bedrohung und Herausforderung?“ hatte es die KV-Akademie geschafft, hochkarätige Referenten einzuladen: Neben den KbKb Prof. Dr. phil. Anton Schall (em. Prof. für Orientalistik und Altertumswissenschaft, Heidelberg) und Prof. Dr. iur. utr. Manfred Wochner (Fachhochschule Ludwigshafen) standen einem erfreulich großen Auditorium auch Prof. Dr. theol. Ludwig Hagemann (Lehrstuhl für Missionswissenschaft, Würzburg), und Herr Lic. theol. Thomas Lemmen von der CIBEDO, Frankfurt, Rede und Antwort.
Nachdem der Programmablauf besprochen war, hielt Kb Prälat Siegfried Schindele eine recht persönlich gehaltene Einführung in die Thematik, welche von den meisten Teilnehmern als „aus dem Herzen gesprochen“ empfunden wurde, da er auf ein gewisses Unbehagen im Verhältnis zum Islam hinwies. Den Ausklang des ersten Abends bildete schließlich der Besuch des Bundesfestkommerses des KStV Normannia im KV zu Würzburg, gekrönt durch die Festrede des 100-jährigen Kb Dr. med. Hermann Hahn, der, seit 80 Jahren Normanne, uns über diese Zeit berichtete.
Der folgende Tag stand dann ganz im Zeichen des Islam und wurde durch den Vortrag von Prof. Dr. Hagemann zum Thema „Die Weltreligion Islam – Ursprung und Selbstverständnis“ begonnen. Nachdem auf diese Weise die ersten Grundlagen zum weiteren Verständnis gelegt waren, berichtete Herr Lemmen über seine Erfahrungen als Mitarbeiter der CIBEDO über Konflikte und Chancen im Umgang mit Moslems in Deutschland. Nach einer kurzen Mittagspause und der Möglichkeit, Tilman Riemenschneiders Altar „Beweinung Christi“ in der Kirche St. Afra in Maidbronn zu besichtigen, ging es am Nachmittag mit den Ausführungen von Kb Prof. Dr. Schall „Christen unter dem Islam – Islam Bedrohung und Herausforderung?“ weiter. Kb Schall führte uns die Problematik eindrucksvoll vor Augen, nicht zuletzt auch durch seine arabischen Zitate, und unterstrich die notwendige Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Den Abschluss bildete schließlich Kb Prof. Dr. Wochner zum Thema „Die Rechtslage der einheimischen christlichen Bevölkerung in islamischen Ländern“, der, wie Kb Schall, die Probleme des Fundamentalismus deutlich ansprach.
Der Abschlussabend des Seminars schließlich stand unter dem Motto „Jung und Alt“ im Bierstüberl der Tagungsstätte und brachte die Möglichkeit der Diskussion im kleinen Kreis. Gestärkt durch ein kräftiges Frühstück und das Konventamt der Benediktinerabtei Münsterschwarzach brachte der Sonntag dann eine Art von Abschlussdiskussion, an der allerdings weder Prof. Dr. Hagemann noch Herr Lemmen teilnehmen konnten, doch stellten sich die KbKb Schall und Wochner bereitwillig den zahlreichen Fragen, und eine Vielzahl von Problemen und Schwierigkeiten wurde erörtert, gipfelnd in der Aussage von Kb Schall, dass islamische Stellen in der Bundesrepublik oftmals nicht nur Kooperation, sondern auch einfache Kontakte ablehnten.
Als ein Fazit der Veranstaltung kann festgehalten werden, dass interessante Einblicke und in gewisser Weise auch ein neuer Zugang zum Thema „Islam“ aufgezeigt wurden, verbunden mit der Einsicht, dass die in den letzten Jahren erfolgte zunehmende Radikalisierung ein ernstes Problem darstellt und nicht nur als Herausforderung zu sehen ist. Der KV-Akademie ist es erneut gelungen, eine Thematik anzubieten, welche einerseits durch Aktualität, andererseits aber auch durch ein gewisses Maß an Unwissenheit und Unsicherheit im Umgang mit dem Islam gekennzeichnet ist. Dieses abzubauen war Ziel der Tagung, und die gegebenen Anstösse bieten eine gute Grundlage zur weiteren Vertiefung.
