Student sein ist kein Zuckerschlecken

Die Bedingungen des Studentenlebens haben sich seit 1950 in dramatischem Ausmaß verändert. Diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge und Diskussionen der 29. Würzburger KV-Tage.

Die Sorgen und Nöte von Studentinnen und Studenten sind heute andere; allein die Verzehnfachung der Studentenzahl signalisiert eine völlig neue Welt. „Student/Studentin heute – unbekannte Wesen?" Zu diesem Themenkomplex konnte Tagungsleiter Kb Dr. Michael Heil aus Münster 40 Gäste in der fränkischen Residenzstadt begrüßen. In einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer des am 6. Mai 1998 verstorbenen Kb Fred
Krämer, der die KV-Tage aus der Taufe gehoben hatte.
 
Die Bestsellerautorin Christa Meves analysierte „Probleme mit der Angst". Mit zahlreichen Beispielen aus ihrer Praxis belegte sie: „Die goldenen Studienjahre sind eine Illusion." Für eine wachsende Zahl von Studentinnen und Studenten gehöre die – infolge der Strukturen der heutigen Universität berechtigte – Angst vor Überforderung inzwischen zum Alltag. Angst macht lernunfähig und konstituiert auf diese Weise einen Teufelskreis. Zur Angst vor dem Versagen kommt die Angst vor der Angst. Immer mehr Studenten brauchen therapeutische Hilfe, um sich aus diesem Teufelskreis zu befreien. Hierzu empfiehlt Christa Meves eine Strategie der kleinen Schritte: weg vom Perfektionismus, hin zur disziplinierten Bewältigung angemessener Aufgaben.

Ingrid Helmke, freie Journalistin mit Doktorhut, stellte dem Auditorium eine Auswahl von „Frauen mit Doktorhut" überwiegend aus dem 18. Jahrhundert vor. Gelehrte Frauen waren im 18. Jahrhundert keineswegs die Norm. Diese sah für Frauen viel mehr den Dreiklang von „Ehe, Kirche, Tugendhaftigkeit" vor. Einzelne Frauen, so Dr. Helmke, konnten sich gegen diese Norm durchsetzen: mit Furchtlosigkeit, Können und Glück. Eine Laufbahn als „Akademikerin" – die Aufnahme in eine Akademie bedeutet die Anerkennung als Gelehrte – war in der Regel nicht mit Ehe und Liebe vereinbar.

Auch Angelika Kauffmann (1741–1807), die berühmteste Porträtmalerin der Goethezeit, wurde von ihrem Vater ausgebildet, wie überhaupt die Förderung durch den Vater ein wiederkehrendes Motiv ist. Dieses Motiv gibt auch den Blick frei auf eine Grundvoraussetzung weiblicher Karrieren: Bei den wenigsten der vorgestellten Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen lassen sich Brüder nachweisen. Nach diesem Blick in die fernere Vergangenheit arbeitete Dr. Walburga Fischer-Gottlob für das 20. Jahrhundert als eine der wesentlichen Veränderungen des Studiums die wachsende Präsenz der Frauen heraus: Inzwischen sind 43 Prozent der Immatrikulierten weiblich.

Goldene Studienjahre? Zum Rahmenprogramm in der weinfränkischen Bischofs- und Universitätsstadt gehörten eine Führung durch die Tilman-Riemenschneider-Ausstellung im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg und ein „Akademischer Dämmerschoppen", bei dem zunächst Kb Harald Stollmeier neben eigenen Gedichten Texte vom Beginn des Jahrhunderts vortrug, die sich mit dem Studium beschäftigten. Kb Paul Wolters nahm diesen Ball spontan auf und löste mit Zitaten aus dem Versepos „Gottfried der Student" des KVers Hermann Iseke (1856–1907; Wf, Gm, Wh, Un, Nm, Tt, Bsg) wahre Lachstürme aus.

Barocke Pracht für Auge und Ohr prägte die Heilige Messe in der Hofkirche, zelebriert von den Verbandsseelsorgern Kb Prälat Siegfried Schindele und Kb
Pater Norbert Reus SAC, begeisternd begleitet von Kb Wolfgang Feuerlein an der Orgel. In seiner Predigt rief Kb Schindele dazu auf, sich für die Kirche verantwortlich zu fühlen. „Wir werden eine Minderheit. Umso mehr kommt es darauf an, Stellung zu beziehen."