Der Geist weht, wo er will
Der Titel unserer Tagung sollte locken, sich Gedanken zu machen. Wo steh ich als Christ? Wie sieht es in meiner Gemeinde aus? Kenne ich meine Gemeinde überhaupt? Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden personellen Veränderung in der Leitung vieler Bistümer hier in Deutschland wollten wir die Vorstellungen über und Erwartungen in die neuen Oberhirten betrachten, wollten auch das möglicherweise gewandelte Bild des „Laien“ in der Kirche diskutieren. Welche Veränderungen in der Gemeinde werden auf uns zukommen, wie stehen wir selbst dazu? Was bedeutet die seinerzeit verstärkt erkennbare Säkularisation für uns persönlich, unsere Vereine und unseren Kartellverband? Und wie sieht es mit der Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils derzeit aus?
Nach der Anreise und Zimmerverteilung am Freitag gab Dr. Michael Heil, (Münster) mit seinem Beitrag „Das Konzil und seine Folgen“ eine erste Einführung in das Thema der Tagung. Öffnung zur Welt – mit diesem Schlagwort lässt sich die Aufbruchsstimmung charakterisieren, die vom II. Vatikanischen Konzil und seinen Beschlüssen ausging. Doch diese Begeisterung scheint heute in Vergessenheit geraten zu sein. Diskussionen über Latein im Gottesdienst, über die Traditionalisten und ihre Auffassung von Kirche, Eucharistie und Religionsfreiheit sind deutliche Zeichen dafür, dass der Weg der Kirche in vielerlei Hinsicht zurück in die Zeit vor dem Konzil zu führen scheint.
Die Gemeinde lebt durch das Engagement der Laien vor Ort
PD Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, (Münster) stellte am Samstag in seinem Vortrag die Frage „Wohin geht die Kirche? Welche Herausforderungen ergeben sich für die Glaubensweitergabe und Gemeindebildung unter veränderten Lebensbedingungen?“ Die Gemeinde lebt durch das Engagement und die Eigeninitiative von Christinnen und Christen vor Ort. Gemeinden können sich auch weiterentwickeln, zusammenwachsen, neu gegründet werden oder sich auflösen. Voraussetzungen hierfür sind immer die Initiative der Gläubigen am Ort und ihr verbindliches Engagement für eine Kirche nahe bei den Menschen.
Zukünftige Gestalt von Glaube und Kirche in Deutschland
Nach der sich anschließenden Diskussion und dem gemeinsamen Mittagessen führte Dr. Peter Schallenberg, (Kommende Dortmund) die Zuhörer in die Thematik „Zwischen Säkularisation und Entchristlichung – Über die zukünftige Gestalt von Glaube und Kirche in Deutschland“ ein. Das Modell der Volkskirche verliert rapide an Akzeptanz und Vitalität – wenn es nicht schon längst überholt ist. Die Kirchenbindung erodiert, das Glaubensleben erlahmt, das christliche Profil verblasst. In Deutschland sind der soziale Bedeutungsverlust der Religion und die schleichende Entchristlichung und Entkirchlichung seit Mitte der 1960er Jahre unverkennbar.Auf die anschließende Diskussion folgte das Abendessen und ein gemütlicher Dämmerschoppen im Ratskeller.
Die 32. Würzburger KV-Tage gingen am Sonntag, nach der Heiligen Messe im Stift Neumünster und einem letzten gemeinsamen Beisammensein am Mittagstisch, zu Ende.
