Religiöse Kunst im Leben der Kirche
Die 36. Würzburger KV-Tage, die vom 6. bis zum 8. Januar 2006 stattfanden, und welche die Kartellbrüder Hans-Joachim Leciejewski, Hans-Georg Wehling und Günter Georg Kinzel wie immer sorgfältig vorbereitet hatten, standen unter dem Thema „Christentum und Kunst".
Eine große Schar von KVern und ihren Angehörigen, es waren mehr als 100, hatten sich eingefunden und hörten als Einführung einen facettenreichen und spritzigen Vortrag von dem Diözesankonservator und Kustos des Diözesanmuseums Rottenburg, Wolfgang Urban, über „Die Sinnhaftigkeit des Glaubens". Der Redner, der frei sprach und einen weiten Bogen von der Frühzeit bis zur Moderne schlug, wusste seine Zuhörer zu fesseln. Nach diesem freitäglichen Abendvortrag ergriff am Samstagmorgen der Ortsbischof Dr. Friedhelm Hofmann, selbst promovierter Kunsthistoriker, das Wort und legte seine grundlegenden Gedanken zur „Christlichen Kunst heute" dar, die nicht nur ein Bekenntnis zur Moderne, sondern auch eine Aufforderung an den Klerus waren, sich mit der Kunst verantwortungsvoll auseinander zu setzen. In seinem Vortrag beschäftigte er sich mit der Frage, inwiefern sich die Künste der Neuzeit aus dem In-Dienst-Genommensein der Kirche gelöst haben und sich – autonom geworden – einem Dialog mit der Kirche versperren. Diese Frage ließ sich nicht so einfach beantworten. In zwei Schritten wurden Kunst und Kirche auf ihre gemeinsamen Wurzeln befragt. Im ersten Teil beschäftigte sich Hofmann mit der Frage, ob die Kunst die Kirche benötigt. Im zweiten Teil wurde die Frage behandelt, inwiefern die Kirche die Kunst benötigt. Die Kirche brauche die Kunst als Vermittler des christlichen Glaubens an die Menschen. Einerseits habe man den Bruch zwischen Kunst und Kirche im Ohr, andererseits sei die Kunst in Form von Bildern, Musik, Sprache oder auch dramatischer Handlung überall im Leben der Kirche präsent. In einem dritten und letzten Teil behandelte Dr. Hofmann die Problematik, wie die Kunst als Inkulturation des Glaubens in den Lebensvollzug der Kirche einzubinden sei.
Der Sonntagmorgen begann mit dem anregenden Beitrag des Mainzer Diözesanbaumeisters Johannes Krämer, der über „Architektur und Liturgie" referierte. Gottesdienst kann im Christentum unabhängig von Ort und Raum gefeiert werden. Es gibt bezüglich des Gottesdienstraumes keine göttlichen Vorbedingungen, die einer Anpassung an Ort und Zeit entgegenstehen. Damit war und ist es möglich, den Menschen auch durch die Gestaltung des Raumes und die Konzeption der liturgischen Orte das Geschehen im Gottesdienst und die Überlieferung Jesu Christi näher zu bringen. Jeder Raum wirkt bewusst oder unbewusst auf die Menschen. Für den Gottesdienstraum bedeutet dies, dass er das Erfahren von Liturgie mitbestimmt und dass er den Glauben mitprägt.
Wie schon im letzten Jahr wurde auch dieses Mal der „Carl-Sonnenschein-Preis" an einen jungen Kartellbruder verliehen und zwar an Jens David Baumbach (Pal), der in England über ein Thema zur griechischen Kultur promoviert worden war. Zuvor hatte Kb Jörg Fedtke, der selbst im Jahr 2003 diesen KV-Förderpreis erhalten hatte, den Preis, seinen Namensgeber und den Preisträger vorgestellt. Anschließend verabschiedete der neue KV-Ratsvorsitzende Karl Kautzsch den bisherigen KV-Ratsvorsitzenden Wolfgang Löhr und den Altherren-Vertreter im KV-Rat Günter Georg Kinzel, stellte ihre Verdienste heraus und bedankte sich bei ihnen für das langjährige Engagement für den KV und seine Mitglieder. Umrahmt wurde diese Veranstaltung durch musikalische Vorträge zweier junger Damen, darunter die Tochter des KV-Ratsvorsitzenden. Es war eine stimmungsvolle Feier, bei der deutlich wurde, welches herzliche Verhältnis die KVer miteinander verbindet.
