Die Demographie fordert Deutschlands Teamgeist

In der KV-Familie ist es schon zur guten Tradition geworden: Das neue Jahr beginnt am 1. oder 2. Wochenende mit den Würzburger KV-Tagen.

Vier namhafte Referenten machten die fast 90 Teilnehmer mit Ursachen und Konsequenzen der demographischen Entwicklung in Deutschland vertraut. Leider waren nur wenige junge Kartellbrüder der Einladung nach Würzburg gefolgt; sie sind es letztlich, die einerseits die Konsequenzen tragen müssen und andererseits noch die Chance haben, an dieser Entwicklung langfristig etwas zu ändern. Die Ministerialdirektorin im Finanzministerium Baden-Württemberg, Dr. Gisela Meister-Scheufelen, gab zum Auftakt der Veranstaltung einen hervorragenden Überblick über die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahre 2050. Schon vor der Jahrtausendwende habe es 1998 eine demographische Zeitwende gegeben. Im Bevölkerungsaufbau sei ein bis dahin noch nie da gewesener Zustand eingetreten. Erstmals habe es in unserem Lande mehr ältere Menschen ab 60 Jahren als jüngere bis 20 Jahre gegeben. Hauptgründe für diese Entwicklung seien der Anstieg der Lebenserwartung und die seit vielen Jahren zu geringe Kinderzahl. Folgen dieser Entwicklung werde man in allen Bereichen der Gesellschaft verspüren. So nehme die Zahl der Schüler in den kommenden 15 Jahren von derzeit 9,6 Millionen auf 7,9 Millionen ab. Bei den Erwerbspersonen gehe nicht nur die Zahl von derzeit 45,3 Millionen auf 30,9 Millionen zurück, die Belegschaft der Betriebe werde immer älter. Das werde sich vor allem auch auf die Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie auswirken. Der Rückgang der Zahl der Erwerbspersonen und der Anstieg der Zahl älterer Menschen führten dazu, dass im Jahre 2050 voraussichtlich 100 Erwerbspersonen für 91 ältere und gleichzeitig 34 jüngere Menschen sorgen müssten. Die Zahl der Pflegebedürftigen werde voraussichtlich von derzeit 1,8 Millionen auf 4,2 Millionen ansteigen.

 

Der rentenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, ging in seinem Vortrag vor allem auf die Konsequenzen für die Sozialversicherungen ein. Die Rente sei zwar immer noch sicher, nicht aber ein bestimmtes Rentenniveau. Nach derzeitiger Rechtslage werde das Nettorentenniveau 2030 bei 43,8 Prozent des Bruttogehaltes liegen. Klar sei, dass die Arbeitnehmer zur Sicherung ihres Lebensstandards nicht nur auf eine zusätzliche betriebliche Alterssicherung angewiesen seien, sondern auch auf die neue dritte Säule der Alterssicherung, die „Riesterrente“. In der Krankenversicherung stünden entscheidende Gesetzesänderungen noch bevor. Die hohen Krankheitskosten im Alter verursachten in einer „alten Gesellschaft“ höhere Ausgaben der Krankenkassen und damit auch höhere Beiträge. Neben einer stärkeren privaten Vorsorge seien es letztlich doch Kinder, die den heute jungen Menschen helfen könnten, der „demographischen Falle“ zu entkommen.

Cornelia Lange, Abteilungsleiterin im Hessischen Sozialministerium, stellte anhand der Ergebnisse der aktuellen Shell-Jugendstudie und der Familienforschung Baden-Württemberg die gesellschaftliche Situation der potentiellen Elterngeneration dar. Fast drei Viertel der Jugendlichen seien Gott sei Dank immer noch der Meinung, man brauche eine Familie, um glücklich zu sein. Allerdings sei der Kinderwunsch gegenüber der Befragung 2002 gefallen: Nur noch 62 Prozent der Jugendlichen wollten später eigene Kinder. Mädchen hätten die Jungen in der Schulbildung überholt. Sie wollten später einen adäquaten Beruf, der für 84 Prozent der Frauen ein wichtiger Aspekt persönlicher Unabhängigkeit sei. Nur 5 Prozent der Frauen wollten heute auf Dauer ausschließlich Hausfrau und Mutter sein. Allerdings müsse noch viel geschehen, damit Elternschaft und Beruf besser vereinbar seien, so zum Beispiel: flexible, verlässliche, qualitätvolle Kinderbetreuung; größeres Engagement der Väter; familienfreundliche Arbeitswelt.