Kirche überlebt vor Ort, wenn sie vor Ort am Leben bleibt!
Es waren rund Hundert KVer und Damen, die das neue Jahr 2011 am ersten Januarwochenende in guter Tradition im Burkardushaus in Würzburg zusammenführte. Ein für KVer wichtiges Thema und der Tagungsort machten wieder einmal deutlich, dass im KV Religion und Wissenschaft eine große Rolle spielen. Auch die angebotene Kinderbetreuung wurde in Anspruch genommen: Wenn über Zukunft gesprochen wird, geht es auch um die Zukunft unserer Kinder und Enkel!
Den Auftakt der Vorträge und Diskussionen machte Dr. Daniel Deckers, Frankfurter Allgemeine Zeitung, mit dem Thema: „Humane Gesellschaft ohne Religion? – Evangelisierung hat eine Chance“. Er sprach von dem Interesse heutiger Menschen an Religion und Esoterik. Von der Idee eines „christlichen Abendlandes“ allerdings müsse man angesichts einer immer größer werdenden Distanz zwischen der Institution Kirche und den Menschen Abschied nehmen. Die abendliche Diskussion war von „Trauerarbeit“ über die Situation der Kirche geprägt, nicht zuletzt auch über die schrecklichen Missbrauchsfälle, über Priestermangel und fehlende finanzielle Ressourcen.
Dr. Hadwig Müller machte in ihrem Vortrag die Ursache für den Bedeutungsverlust der Institution deutlich: „Der Einzelne sucht in Religion und Glauben, die schon lange nicht mehr nur von christlichen Institutionen vertreten werden, das, was ihm hilft, Einheit in seinem Leben herzustellen und seine Identität aufzubauen“. Nicht mehr die Institution bestimme die religiösen Vorstellungen und die religiöse Praxis des Einzelnen; es seien die Einzelnen, die aus den Regeln und Vorstellungen der Institution das auswählten, was ihnen hilfreich erscheine. Das allerdings führe zu Befreiung und Verunsicherung und bringe die religiöse Landschaft in Europa in Bewegung.
Prof. Dr. Eberhard Tiefensee stellte dann die Situation der Kirche in den neuen Bundesländern dar, wo vom „christlichen Abendland“ schon lange keine Rede mehr gewesen sei. Kirche könne dort ihre Chance wahrnehmen, wo sie auf die Menschen mit ihren Fragen und Nöten zugehe und ihnen helfe, Antworten und Lösungen zu finden. Ministerin a.D. Rita Waschbüsch, die frühere Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, wies auf die Bedeutung des Engagements der Laien hin. Dies sei umso wichtiger, je weniger Priester in den Gemeinden tätig wären. Neben der Heiligen Messe gebe es eine Vielzahl von Gottesdienstformen, denen auch Laien vorstehen könnten. Verkündigung des Evangeliums bedeute auch, als Christ am öffentlichen Leben teilzunehmen. Dr. Bernhard Spielberg schloss am Sonntag die Reihe der hervorragenden Vorträge mit der These ab, das zentrale Problem der Kirche sei nicht der Mangel an hauptamtlichem Personal oder Geld, sondern die „Exkulturation“, die wachsende Entfremdung der Kirche von kulturellen, ästhetischen und sozialen Erfahrungsräumen sowie Ausdrucksformen der Menschen in dieser Zeit.
Vorfrühling lag in der Luft
Würzburg gab wie immer einen schönen winterlichen Rahmen für die KV-Tage ab; beim Exbummel am Samstagmittag allerdings war schon so etwas wie „Vorfrühling“ in der Luft. Am Sonntagmorgen feierte Kartellbruder Hans-Joachim Leciejewski die Heilige Messe mit uns. In seiner Predigt griff er einige der Gedanken der Vorträge auf. Es ist im Übrigen auch guter Brauch geworden, in einem Festakt im Rahmen der Würzburger KV-Tage den Carl-Sonnenschein-Preis zu verleihen. Festakt und anschließendes Buffet sind gute Gelegenheiten für Gespräche mit Freunden und Kartellbrüder, die man oftmals nur einmal jährlich in Würzburg trifft.
