Macht Euch die Erde untertan – unser Umgang mit der Schöpfung
107 Teilnehmer hatten sich im Bildungshaus der Diözese Mainz, dem Erbacher Hof, eingefunden, um zu Beginn des Jahres „KV-Familie“ zu erleben und mit kompetenten Referenten ein politisch und gesellschaftlich wichtiges Thema intensiv zu diskutieren. Der Wechsel nach Mainz war notwendig geworden, weil das „Burkardushaus“, die traditionelle Tagungsstätte in Würzburg, umgebaut wird.
Schon am Freitagabend konfrontierte Dr. Hannes Petrischak, Geschäftsführer der Stiftung „Forum für Verantwortung“, Otzenhausen, die Teilnehmer mit dem Hinweis, die Menschheit habe die Erde als Lebensraum nur einmal zur Verfügung, eine Ausweichmöglichkeit gebe es nicht! Petrischak zeigte die Wechselwirkungen von Land – Luft – Wasser auf, die unter anderem durch menschliche Eingriffe beeinflusst werden. Vor allem die Industrieländer wirtschafteten, als ob sie mehrere Erden zur Verfügung hätten. Ohne eine radikale Erhöhung der Ressourcenproduktivität gebe es keine Nachhaltigkeit. Die Probleme seien allerdings lösbar, man müsse es nur wollen! Noch sei Zeit zum Handeln!
Der Studienleiter der Europäischen Akademie Otzenhausen, Michael Matern M.A., startete den zweiten Seminartag mit seinem Vortrag „Wohin steuert die Welt? – Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung“. Ursachen der am Vorabend aufgezeigten Probleme auf dem blauen Planeten lägen in einer Expansion auf allen Ebenen, der Entkopplung Mensch – Natur, einem zunehmend utilitaristischen Menschenbild und einem großen Orientierungsverlust der Menschen. Zu einer nachhaltigen Entwicklung seien verschiedene Strategien notwendig. Wenn man mit solchen Strategien von der Expansion zur Balance kommen wolle, so müssten alle Ebenen mitmachen: Individuen, Firmen, kommunale Ebenen, nationale, europäische und globale Ebenen. Kernthemen einer nachhaltigen Entwicklung seien: Ressourcennutzung, Klimaschutz, Mobilität, Ernährung, Wasser, Ökonomie und Politik.
Stefan Mörsdorf, zehn Jahre lang Umweltminister im Saarland, Geologe und Botaniker, zeigte in seinem anschließenden Vortrag „Klimawandel – Wassermangel – Migration“ auf, weshalb es insbesondere auf Grund des durch den Klimawandel bedingten Wasserman-gels in großen Teilen Afrikas zu Migration komme, die zunächst als innerafrikanische Landflucht in die großen Städte geschehe und von dort dann zunehmend in die industrialisierten Länder u. a. Europas.
Den letzten Vortrag am Samstag hielt Kb Dr. Christoph Goppel (Erw), Direktor der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Laufen an der Salzach. Er vertiefte die von den Vorrednern schon angesprochene Frage nach der Ursache menschlicher Verantwortungslosigkeit gegenüber der Schöpfung unter dem mahnenden Thema: „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen!“ Es sei vor allem der Orientierungsverlust der Menschen, der uns bei der Rücksichtnahme auf die Schöpfung nachlässig werden lasse.
Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen!
Kb Dr. Gerd Modemann (Moe-Stg), Experte für Kraft-werke und Energiesicherheit, beschloss mit seinem Vortrag „Politischer Tsunami – Energiewende in Deutschland!“ das Programm der 42. Würzburger KV-Tage. Er hielt den überstürzten Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie für falsch. Der deutsche Sicherheitsstandard sei erheblich höher als der japanische, die Bedrohungslage in Fukushima sei ganz anders als bei uns in Deutschland; ein solcher Tsunami, der die Zerstörung im japanischen Kernkraftwerk bewirkt habe, sei bei uns nicht denkbar.
