Das heilige Land. Palästina, Israel und der Dialog der Religionen

Vom 4. bis 6. Januar 2013 fanden im Erbacher Hof in Mainz die 43. Würzburger KV-Tage statt. 111 Damen und Herren waren der Einladung nach Mainz gefolgt und erlebten eine interessante Akademie-Veranstaltung. Mit den KV-Tagen eröffnet die KV-Akademie jeweils ihr Arbeitsjahr und die gute Resonanz zeigt die Wertschätzung dieser Veranstaltung.

„Das Heilige Land. Palästina, Israel und der Dialog der Religionen“ lautete das Thema, das seit Jahrzehnten an Brisanz nichts verloren hat. Die Einführung in die Thematik der Tage übernahm Dr. h.c. Johannes Gerster aus Mainz, der die vielfältigen Aspekte des Konfliktes um das Heilige Land und vor allem um die Stadt Jerusalem, aber auch den zunehmenden Fundamentalismus in den monotheistischen Religionen (Juden, Christen, Muslime) in der offenen Gesellschaft Israels darlegte.

Am Samstag referierte Prof. Dr. theol. Lothar Wehr aus Eichstätt zum Thema „Die frühen Christen. Das Urchristentum aus der Sicht des 21. Jahrhunderts“. Interessante Erkenntnisse brachte der detaillierte Blick des Theologen auf das Doppelwerk des Lukas (Evangelium und Apostelgeschichte).

 

Yad Vashem – Denkmal und Namen: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr Wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird.” In der Shoa wurde den etwa sechs Millionen Opfern zunächst die Menschenwürde genommen, ehe sie getötet wurden. Yad Vashem kämpft gegen das Austilgen der Erinnerung. Inzwischen sind mehr als 4 Millionen Opfer namentlich bekannt! Kb Povel wusste die Hörerschaft mit den lebendigen Einblicken in seine Arbeit in Jerusalem zu fesseln. Pater Dr. theol. Christian M. Rutishauser SJ reiste trotz seiner vielfältigen Aufgaben u. a. als Provinzial der Schweizer Jesuiten aus der Schweiz an. Als Thema hatte er: „Stand und Perspektiven des jüdisch-christlichen Dialogs“ gewählt. In einem spannenden Vortrag legte der Referent dar, wie der Dialog unter dem Pontifikat des Sel. Johannes Paul II. gestaltet wurde und wie dies sein Nachfolger fortführte. Dabei kam auch die Karfreitagsfürbitte zur Sprache, die Papst Benedikt XVI. für den außerordentlichen, sogenannten tridentinischen Ritus formulierte. Diese Bitte erweckt den Anschein, als würde für die Bekehrung der Juden zu Christus gebetet. Die Frage der aktiven Judenmission ist stark belastet und Kardinal Kasper erklärte intervenierend, dass diese Bitte eschatologisch zu interpretieren sein, d. h. dass die Juden Christus anerkennen würden, wenn ER am Ende der Zeiten wiederkommt. Hätte man diese Missverständnisse nicht vermeiden sollen? Die Entwicklung einer Theologie der Religionen steht dringend an, in welche die einmalige Beziehung von Altem und Neuem Bund integriert werden kann. Zudem braucht es eine „abrahamitische Ökumene“, die die monotheistische Ausrichtung von Juden, Christen und Muslimen deutlich hervorhebt. Theologisch fundiert, rhetorisch exzellent, die Zuhörerschaft fesselnd – wen wundert da eine gute Diskussion und der Dank des Publikums? Am Sonntag, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, feierte Kb Hans-Joachim Leciejewski in der Hauskapelle die Heilige Messe. Kb Dr. Paul-Georg Custodis brachte die „Jüdische Synagoge in Mainz, früher und heute“ anhand von Bildern den Teilnehmenden sehr gut nahe.
Dr. Johannes Gerster übernahm den abschließenden Vortrag zum Thema: “Die Geschichte der Juden in Mainz“. Er verwies auf das reiche jüdische Leben in den Städten Speyer, Worms und Mainz. Die Anfänge jüdischer Bevölkerung in Mainz liegen zwar im Dunkeln, sind aber seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar.
Kb Klaus Gierse beschloss als Leiter der KV-Akademie eine gut angenommene und gelungene Auftaktveranstaltung im Jahr 2013.