Neue Herausforderungen für Gesellschaft und Kirche
In den Jahren 2008 bis 2012, in denen ich als Akademieleiter die 38. bis 42. KV-Tage zusammen mit den Kartellbrüdern Werner Rellecke und Hans-Joachim Leciejewski verantwortet habe, standen gesellschaftspolitische und Kirchenthemen im Fokus unserer Diskussionen in Würzburg und zuletzt Mainz. Es ging darum, sich mit neuen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auf Gesellschaft, Staat und Kirche zu beschäftigen.
Bei den 38. KV-Tagen im Januar 2008 befassten wir uns mit der demographischen Entwicklung und ihren Konsequenzen für das gesellschaftliche Miteinander, die Finanzierung von Renten- und Krankenversicherung, Beschäftigung und Innovationsfähigkeit der Industrie und nicht zuletzt den Konsequenzen für unsere Kirchengemeinden. Ich erinnere mich dabei an eine hitzige Diskussion über die Berufstätigkeit der Frauen, als die Gründe für den Rückgang der Geburtenzahlen erörtert wurden. Ein Hinweis auf andere europäische Länder, in denen die Geburtenrate trotz höherer Frauenerwerbstätigkeit erheblich höher war als in Deutschland, beruhigte.
„Verantwortung der Christen im Zeitalter der Globalisierung“ war das Motto der 39. KV-Tage im Januar 2009, bei denen Hans-Joachim Leciejewski von den Kartellbrüdern Dr. Kinzel und Prof. Dr. Wehling in der Leitung unterstützt wurde. Ein Zukunftsthema, wie sich im Zusammenhang mit der gewaltigen Migration der letzten Jahre zeigt.
Sozialstaat oder Wohlfahrtsstaat
Kartellbruder Werner Rellecke leitete die 40. KV-Tage im Januar 2010 in Würzburg, die sich mit dem Thema „Freie Wirtschaft und sozialer Staat: Brauchen wir eine neue Soziallehre?“ befassten. Die Diskussionen über die Frage, Sozialstaat oder Wohlfahrtsstaat, werden nie zu Ende gehen. Letztlich steckt die Frage nach unserem Menschenbild dahinter. Wollen wir möglichst frei sein und die Verantwortung für unser Tun tragen oder wollen wir die „Vollkaskoversorgung“ durch den Staat.
Dem KV kann die Zukunft der Kirche nicht gleichgültig sein! So begründeten wir die Wahl des Themas der 41. KV-Tage „Situation und Zukunft unserer Kirche“. Was muss sich in der Kirche ändern, was können wir als Gläubige tun, damit auch unsere Kinder Kirche weiterhin erfahren? „Kirche in den neuen Bundesländern – eine Missionskirche?“ oder „Das christliche Abendland – Missionsregion der Weltkirche“, mit diesen Vorträgen wurden die Teilnehmer auf die Situation der Kirche hingewiesen. Der FAZ-Redakteur Daniel Deckers machte mit seinem Vortrag „Humane Gesellschaft ohne Religion? – Evangelisierung hat eine Chance!“ Mut und Rita Waschbüsch, ehemalige Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, sprach die heutige und künftige Rolle der Laien in der Kirche an.
Die 42. KV-Tage vom 06. bis 08. Januar 2012 fanden erstmalig im Erbacher Hof in Mainz statt. „Macht Euch die Erde untertan – Unser Umgang mit der Schöpfung“ war das Thema, 105 Teilnehmer diskutierten intensiv mit den Referenten, zu denen auch der frühere langjährige Umweltminister des Saarlandes Stefan Mörsdorf gehörte. Uns wurden damals schon die Ursachen und Konsequenzen des Klimawandels, insbesondere auch auf die Migration innerhalb Afrikas und Asiens, und aus diesen Erdteilen nach Europa, deutlich. Der abendliche Bummel in die Altstadt von Mainz zeigte den Teilnehmern, dass der Erbacher Hof eine ausgezeichnete Tagungsstätte für die KV-Tage war.
Prof. Dr. Gerhard Vigener
